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Start Triathlon Dudek und Winkler finishen bei der Challenge Roth

Dudek und Winkler finishen bei der Challenge Roth

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"Guat schaust aus!"

Das ist die wohl verbreitetste Lüge, die bei einem Langdistanzrennen den Athleten üblicherweise zugerufen wird.

... Es sei denn, man bereitet sich so akribisch vor wie Susi Winkler und Wanda Dudek für ihren ersten Start bei der Challenge Roth. Beide hatten jeweils einen Trainer engagiert, der sie zielgerichtet über 8 – 12 Monate mit Plänen versorgte. Diese wurden bis zum Tag X äußerst diszipliniert abgearbeitet, so dass der geneigte Zuschauer am Streckenrand überhaupt keine motivationssteigernden Lügen verbreiten musste. Meistens jedenfalls.

Nachdem also die gesamte Freizeit geopfert, die mentale Stärke ins unmenschliche gesteigert und auch das letzte Detail bedacht wurde, folgte der Auftakt im fränkischen Roth bereits am Vortag des Wettkampfs. Die Rad- und Wechselbeutelabgabe ist ein logistischer Kraftakt, Wettkampfbesprechung, Messerundgang, Pastaparty – es gab genügend zu tun. Immerhin lenkte das von der allgegenwärtigen Angst ab, zu wenig trainiert oder irgendwas vergessen zu haben. Die sorgte erst in der Nacht für ein paar schlaflose Stunden. Letztendlich waren die Ladys froh, als es dann endlich losging.

Der Tag begann um 4.00 Uhr morgens mit moderater Anspannung, die sich von Minute zu Minute steigerte, um zum Start um 6.45 Uhr ihren Höhepunkt zu erreichen. In Roth wird in Startgruppen geschwommen und zudem im Main-Donau-Kanal, sodass die erste Disziplin erwartungsgemäß für beide Damen kein Problem war. Wanda schwamm starke 1:06 Stunden auf den 3,8 Kilometern. Susi benötigte knapp 20 Minuten mehr und wurde deshalb von den schnellen Schwimmern der Startgruppe hinter ihr eingeholt. Der erste Wechsel klappte reibungslos, nicht zuletzt wegen den sehr aufmerksamen Helfern, die routiniert jeden Handgriff beherrschten.

Das Radeln gestaltete sich zunächst recht angenehm. Am frühen Morgen waren die Temperaturen noch erträglich, der Wind stellte sich erst auf der zweiten Radrunde ein. Erst mal hieß es also die Highlights genießen. Die Biermeile in Eckersmühlen, der Kalvarienberg in Greding sind da unter anderen zu nennen. Und natürlich der Solarer Berg in Hilpoltstein, das Mekka der Triathleten schlechthin. Dort wird man regelrecht von den Zuschauermassen hochgetragen. Aber auch auf dem Rest des Radparcours standen immer wieder die mitgereisten Fans und feuerten die beiden Mainburgerinnen frenetisch an. Erst als der Wind zunehmend stärker und böiger blies wurde es kräftezehrender. Und auch schmerzhafter. Rücken, Nacken, Füße und der Allerwerteste meldeten maximale Bedenken an. Die zweite Wechselzone wurde deshalb von den beiden Athletinnen sehnsüchtig erwartet und auch nach 6:05 Stunden (Wanda) beziehungsweise 6:30 Stunden (Susi) erreicht. Schließlich stand dann nach den 180 Kilometern auf dem Rad ja nur noch der Marathon auf dem Programm.

Aber Frau wäre nicht Frau, wenn nicht erst mal komplettes Umziehen angesagt wäre. Das Auge läuft schließlich mit und Prüderie ist in der Wechselzone sowieso am falschen Platz. Auch hier wurde von der internationalen Helferschar maximal unterstützt. Solchermaßen erfrischt spulte Susi wie im Training geübt und immer mit Blick auf die Pulsuhr konstant Kilometer um Kilometer runter. Wanda indessen versuchte es erst mal wechselnd zwischen Laufen und Power-Walking-Modus. Dass es bei ihr nicht ganz rund lief, ist in ihrem Zuruf an einen mitgereisten Fan gut dokumentiert: „Nie wieder mache das!“, gab sie glaubwürdig zum Besten. Erst ab Kilometer 35 kam bei ihr die zweite Luft, womöglich hätte die Lauftrecke noch ein paar Kilometer länger sein müssen.
Susi hingegen hatte ab 28 Kilometer zu beißen, aber schließlich ist das die Ironmandistanz, da kann man das schon erwarten. Wer beißt braucht auch etwas zu trinken, bei den mittlerweile herrschenden hohen Temperaturen vorzugsweise Isotonisches. Es geht das Gerücht, Susi hätte den Rat befolgt und an der vorletzten Verpflegungsstation Bier getrunken. Das würde den glücklichen Gesichtsausdruck auf den letzten Laufkilometern erklären.
Letztendlich erreichte Susi nach 5:11 Stunden und Wanda nach 4:55 Stunden souverän das eigens aufgebaute Rother Stadion, um den Zieleinlauf dann ganz unterschiedlich wahrzunehmen. Beide verbindet aber die große Erleichterung und die Freude über das Erreichte, worauf sie auch stolz sein können. Wanda schaffte eine Endzeit von 12:15:38 Stunden, Susi 13:22:11 Stunden und sind somit als gestandene Eisenfrauen im Mainburger Triathlon-Olymp angekommen. Als solche nimmt die weitere Entwicklung vermutlich den üblichen Verlauf. Am Ende des Wettkampfs beteuert man, so etwas nie wieder zu machen. Am Tag danach folgt die Relativierung - vielleicht in 30 – 40 Jahren nochmal. Einen weiteren Tag später kommt dann die Zusicherung, auf keinen Fall nächstes Jahr. Man darf also gespannt sein, wer im nächsten Jahr wieder ein Langdistanzrennen bestreitet.