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Start Triathlon Franz Reitmeier bestreitet eines der härtesten Eintagesevents der Sportwelt - Der Ironman Hawaii -

Franz Reitmeier bestreitet eines der härtesten Eintagesevents der Sportwelt - Der Ironman Hawaii -

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Mit großem Erfolg und einer gandiosen Leistung überzeugte Franz Reitmeier bei der Ironman-Weltmeisterschaft 2013 auf Hawaii inmitten von 2100 startberechtigten Athleten aus 55 Ländern weltweit. Auf der über 12.400 km entfernten amerikanischen Insel des 50. US-Bundesstaates Hawaii konnte Franz Reitmeier die 3,8 km Schwimmen im offenen Meer, die 180 Kilometer auf dem Rad quer durch Lavafelder, sowie den abschließenden Marathonlauf in sage und schreibe 10:07:39 Stunden bewältigen. Das ganze wohlgemerkt bei Temperaturen bis 38° C, ungewöhnlich hoher Luftfeuchte von etwa 90 % und dem auf Inseln üblichen, kräftigen Wind. Von der Platzierung her erreichte Franz den 75. Platz in der Altersklasse, sowie den 632. Gesamtplatz in der Männerwertung.

 

 

In der Sportwelt gilt die Erlangung eines Starttickets, als ein absolut renommiertes Level. Rund um den Erdball kämpfen hier tausende von Qualifizierungswilligen in 35 Qualifizierungswettkämpfen um die begehrte Startberechtigung. Die Faszination Ironman Hawaii ist und bleibt ungebrochen. Hawaii ist einfach das höchste der Gefühle im Herzen eines Triathleten. Der IRONMAN Hawaii ist nicht nur das populärste, spektakulärste und legendärste Rennen über die klassische Langdistanz der Welt, sondern gleichzeitig auch das älteste. 15 Männer nahmen am 18. Februar 1978 auf der Hawaii-Insel Oahu am ersten Ironman-Triathlon teil. Die Siegerzeit betrug damals 11 Stunden, 46 Minuten und 40 Sekunden. Nach drei Jahren wurde die Veranstaltung 1981 nach Kailua-Kona auf die Insel Hawaii verlegt, wo es bis heute stattfindet. Seit 2006 wird der IRONMAN Hawaii als IRONMAN Triathlon Weltmeisterschaft ausgetragen.

Die Faszination, die ein solches Event hinterlässt, schilderte Franz eindrucksvoll im Gespräch mit der Hallertauer Zeitung:

HZ: Vor dem Wettkampf steht ja zunächst eine lange Anreise über 12000 Kilometer fast auf die andere Seite der Erdkugel. Wie lief das ab?

Franz: Insgesamt waren wir, das heißt die Reisegruppe von Hawaii-Triathleten, 26 Stunden unterwegs von München über Frankfurt nach San Francisco und von da weiter nach Kailua-Kona. Dort wurden wir auch gleich ganz traditionell mit einem Hibiscus-Kranz vom Reiseveranstalter begrüßt. Um uns zu akklimatisieren reisten wir neun Tage vor dem Wettkampf an. Immerhin ist ja ein Zeitunterschied von zwölf Stunden zu bewältigen. Ich hatte aber zum Glück keine Probleme mit der Umstellung.

HZ: Wie verlief dann die Woche vor dem Rennen?

Franz: Es wird natürlich trainiert. Ich habe das bewusst zu den Uhrzeiten gemacht, an denen auch der Wettkampf stattfand, also zum Beispiel Laufen in der Mittagshitze, um mich daran zu gewöhnen. Aber natürlich alles im Schongang. Andere trainierten lieber am Morgen oder Abend, manche auch richtig hart. Es gab eigentlich alle Variationen von Vorbereitung zu sehen.

HZ: Am Start war es dann sicher sehr aufregend?

Franz: Man muss ja schon sehr zeitig aufstehen, da die Profis schon um 6:30 Uhr starten. Vorher muss noch vieles erledigt werden, angefangen vom „Bodymarking“, also dem Aufmalen der Startnummer auf den Armen, bis zum Materialcheck. Bei mir lief das aber ganz ruhig ab, ich war nicht nervös. Lediglich wegen der Hitze hatte ich etwas Bedenken und ob ich die Distanz bei diesen Bedingungen auch gut bewältigen würde. Das Schwimmen im Meer konnte ich in der Woche vor dem Rennen ausgiebig am Pier in Kona üben. So musste ich nur mit dem Geprügel auf der ersten Streckenhälfte zurechtkommen, es geht halt von der Leistungsdichte sehr eng zu. Ansonsten hatte ich aber keine der Probleme, vor allem, weil auch der Wellengang nicht so schlimm war wie befürchtet.

HZ: Dann folgte der Wechsel aufs Rad, zu Deiner Paradedisziplin. Da ging es Dir ja richtig gut?

Franz: Beim Wechsel gab’s erst mal gewisse Verständigungsprobleme. Es dauerte ein bisschen bis ich verstand, dass der Helfer nicht nach dem Hotel fragte, sondern ob ich ein kaltes Handtuch zum Abkühlen wolle. Das sorgte für Gelächter und gute Laune für die kommende Disziplin. Das heißt, 90 Kilometer durch die berüchtigten Lavafelder zum Wendepunkt in Hawi an der Nordspitze von „Big Island“ und dann das Gleiche wieder zurück. Ab Kilometer 140 wurde es richtig schwer. Der Wind kam auf dem Rückweg immer schräg von vorn, so dass es schwierig war, in Aeroposition zu fahren und nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Auf Dauer ist das zermürbend, vor allem wenn man allein fährt und nicht in einer Gruppe, was beim Ironman ja verboten ist. Außerdem hatte ich nasse und mittlerweile aufgeweichte Füße vom Wasser, das man zu Kühlzwecken regelmäßig über sich schüttet. Das wurde beim Laufen später noch richtig schmerzhaft.

HZ: Wenn man fünf Stunden Rad fährt hat man bestimmt auch mal Hunger. Was hast Du da zu Dir genommen?

Franz: Ich habe mich ausschließlich flüssig ernährt, also mit kohlenhydrathaltigen Getränken. Ich hatte Bedenken feste Nahrung zu mir zu nehmen um nicht Magenprobleme zu bekommen. Das hat sich in Frankfurt schon bewährt und auch hier wieder gut funktioniert.

HZ: Wie geht man nach so einer Strapaze dann einen Marathonlauf an? In der Mittagshitze vor allem?

Franz: Ich muss sagen, die ersten zwölf Kilometer waren die schwersten, auch wenn sich das keiner vorstellen kann. Ich hatte zunächst mit Problemen an der Oberschenkel-Rückseite zu kämpfen. Das wurde dann zum Glück aber besser. Ansonsten bin ich recht gleichmäßig durchgelaufen. Die Strecke ist ja recht eintönig und zum großen Teil ohne Zuschauer. Da hilft nur ein Tunnelblick, was mir auch gut gelungen ist. Ich kannte auch immer den Abstand zu meinem Sportfreund und Mentor Ralf Preissl, was mich zusätzlich motivierte. Ihm ging’s nicht so gut, so dass ich ihn bei Kilometer 37 überholte. Das hat bei ihm dann die letzten Reserven mobilisiert und er ist dann kurz nach mir ins Ziel gekommen.

HZ: Den Zieleinlauf vergisst man dann nie?

Franz: Die Gänsehaut fängt schon zwei Kilometer vor dem Zielstrich an. Man hat auch keine Schmerzen mehr, es ist einfach purer Genuss. Mir wurde die Bayernfahne gereicht und mit der bin ich dann ins Ziel gelaufen. Der Moment, als der Sprecher meinen Namen und den Satz „You are an ironman!“ rief, war unbeschreiblich und im Vorfeld für mich die Motivation, drei Jahre hart zu trainieren. Dass es jedem so geht sieht man den unterschiedlichen Arten, wie der Zieleinlauf zelebriert wird. Es wird über die Ziellinie gerollt, gehüpft, die Arme hochgerissen. Ich habe mich darauf beschränkt, den Boden zu küssen. Danach bekommt man einen Hibiscuskranz und eine riesengroße Medaille umgehängt. Das anschließende Buffet ist mit Pommes und Pizza etwas gewöhnungsbedürftig, wie überhaupt die ganze Organisation einen einfacheren Standard hat als in Europa. Duschen zum Beispiel gab es keine, dazu mussten wir ins Meer oder zu den Strandduschen gehen.

HZ: Wie lange benötigt man dann, um sich von den Strapazen zu erholen?

Franz: Ach, das geht relativ schnell. Abgesehen von drei blauen Zehennägeln und einigen Blasen ist die Erholung nicht so das Problem, weil man ja gut trainiert ist und so einen Wettkampf gut weg steckt. Die anschließenden Urlaubstage auf Hawaii waren da natürlich auch hilfreich.

HZ: Wie würdest Du mit ein bisschen Abstand dieses Erlebnis zusammenfassen?

Franz: Es waren drei Jahre harte Arbeit mit viel Disziplin erforderlich, um das alles zu schaffen. Aber ich würde es wieder so machen, einfach weil es eine grandiose Erfahrung und ein wunderbares Erlebnis war.

HZ: Vielen Dank und nochmals Gratulation zu der tollen Leistung.